Baselland, Basel-Stadt, Luzern, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, Uri, Zug
Fritz Bösiger

«Solange ich kann, mache ich weiter»

von Carole Bolliger
min
28.10.2026
Seit Jahrzehnten engagiert sich Fritz Bösiger für Kirche, Politik und Menschen, die Unterstützung brauchen. Der 77-Jährige war Kirchenvorstand und Synodepräsident, Sozialvorsteher und Politiker. Aufhören? Daran denkt er nicht. 

Wenn Fritz Bösiger von seiner Kindheit erzählt, landet er schnell beim Holz. Sein Vater bereitete damals Holz für das Pfarrhaus auf. Fritz war noch ein kleiner Junge. Doch er verstand: Das hier war nicht einfach irgendein Haus. Es gehörte zur Kirche. Und wenn etwas für die Gemeinschaft getan werden musste, dann packte man eben mit an.

Auch die Kirche in Hüswil selbst war auf diese Weise entstanden. Menschen aus der Gegend stellten Land zur Verfügung, leisteten Fronarbeit, bauten gemeinsam. Diese Haltung hat Bösiger geprägt. Mitmachen. Verantwortung übernehmen. Nicht lange fragen, ob jemand anderes es tun könnte. So hält er es bis heute.

Einer, der gerne Lösungen sucht

Fritz Bösiger ist 77 Jahre alt und in der Region aufgewachsen. Er beschreibt sich als einen Menschen, der aus einfachen Verhältnissen kommt und bis heute einfach lebt. Und als einen, der hilft, wenn jemand Hilfe braucht. Das ist keine Floskel. 21 Jahre war er Sozialvorsteher. 15 Jahre engagierte er sich im Kirchenvorstand. Später übernahm er für viereinhalb Jahre das Präsidium der Synode. Dazu kam die Politik. Besonders die Parlamentsarbeit lag ihm. Warum? Weil dort gerungen wird. Um Positionen, um Kompromisse, um Lösungen. «Man kann miteinander feilschen und eine Lösung suchen», sagt er. Genau das habe ihm gefallen. Besonders dann, wenn am Ende etwas bleibt. Als er an der neuen Luzerner Kantonsverfassung mitarbeiten konnte, war das für ihn deshalb etwas Besonderes. Eine Verfassung hält nicht für einen Moment. Sie wirkt über Jahre. «Da kannst du etwas hinterlassen.» Ein Denkmal brauche er deswegen nicht, fügt er an.

Kirche muss zu den Menschen

Auch die Kirche hat sich in all den Jahrzehnten verändert. Bösiger hat erlebt, wie die Gottesdienstbesuche zurückgingen. Selbst Weihnachten ziehe längst nicht mehr alle in die Kirche. Sorgen bereitet ihm das durchaus. Resignieren ist allerdings nicht seine Art. Kirche müsse dorthin gehen, wo die Menschen sind. Sie müsse versuchen, sie «abzuholen», statt darauf zu warten, dass sie von selbst kommen.

Gerade Kinder und Familien seien dabei wichtig. Wo Kinder gemeinsam etwas erleben, basteln oder am kirchlichen Unterricht teilnehmen, kämen auch Eltern wieder mit Kirche in Berührung, ist er überzeugt. Dass ihm Kirche viel bedeutet, hat dabei nicht nur mit Ämtern und Sitzungen zu tun. Sein Glaube sei mit den Jahren offener geworden, sagt Fritz Bösiger. Als reformiertes Kind in einer stark katholisch geprägten Umgebung habe er früh gespürt, dass er ein wenig anders war. Heute seien die Konfessionsgrenzen weniger wichtig geworden. Ein Erlebnis ist ihm besonders stark geblieben: Als Vertreter der reformierten Kirche durfte er mit einer Luzerner Delegation nach Rom reisen und Papst Franziskus persönlich begegnen. An die Anspannung vor dem Treffen erinnert sich Bösiger noch genau. Dann kam der Papst. Ein paar Worte, ein Händedruck. «Ein einmaliges Erlebnis.»

Heute wird er zu Hause gebraucht

Doch wenn Fritz Bösiger heute über Verantwortung spricht, geht es nicht zuerst um Kirche oder Politik. Es geht um seine Frau. Sie ist an Demenz erkrankt. Er betreut sie zu Hause. Die beiden sind in eine rollstuhlgängige Wohnung gezogen, damit der Alltag einfacher zu bewältigen ist. Die Betreuung sei inzwischen fast ein Vollzeitjob, sagt er. Auch dabei hilft ihm sein Glaube. Und auch jene Haltung, die ihn schon durch all die anderen Aufgaben getragen hat: anschauen, was ist. Eine Lösung suchen.

Bösiger spricht sachlich über die Situation. Darüber, dass Angehörigenpflege Unterstützung braucht. Darüber, wie wichtig professionelle Begleitung ist. Einmal im Monat kommt eine Fachperson vorbei. Dann kann er Fragen stellen und Dinge besprechen, die im Alltag schwierig sind. Es ist wieder dieses «Miteinander», das sich durch sein Leben zieht.

«Vielleicht bin ich zufriedener»

Ganz zurückgezogen hat er sich trotzdem nicht. Er arbeitet sogar noch ein wenig selbstständig. Solange seine Gesundheit es zulässt, will er etwas tun. Auch mit seiner Frau versucht er weiterhin unterwegs zu sein. «Solange ich gesund bin, kann ich auch noch etwas machen.» Kein Vorsatz, sondern eine Selbstverständlichkeit. So wie damals, als sein Vater Holz für das Pfarrhaus hackte. Es gab etwas zu tun. Also tat er es. Was ihm all die Jahrzehnte des Engagements selbst gebracht haben? Er überlegt und sagt: «Dass ich vielleicht zufriedener bin.»

 

Unsere Empfehlungen

«Wir wollen keine Immobilienmogule sein»

«Wir wollen keine Immobilienmogule sein»

Die Reformierte Kirchgemeinde Luzern besitzt 24 Liegenschaften. Doch sie braucht nicht mehr alle Räume so wie früher. Stefan Sägesser darüber, wie aus kirchlichen Gebäuden künftig Wohn- und Lebensraum für eine breitere Bevölkerung werden könnte. 

Berufseinstieg bei der Kirche

Am nationalen Zukunftstag vom 12. November zeigt die Reformierte Kirche Kanton Luzern, wie vielfältig ihre Arbeitswelt ist. Dahinter steht auch das Ziel, junge Menschen für kirchliche Berufe zu begeistern. 
Neues Schutzkonzept: Schulungen gestartet

Neues Schutzkonzept: Schulungen gestartet

Eine Umarmung kann trösten. Sie kann aber auch eine Grenze überschreiten. Mit einem neuen Verhaltenskodex will die Reformierte Kirche Kanton Luzern Orientierung schaffen und eine Kultur fördern, in der Unsicherheiten offen angesprochen werden. 
Wenn Schweigen zur Belastung wird

Wenn Schweigen zur Belastung wird

Was tun, wenn im kirchlichen Umfeld Grenzen überschritten werden – und man nicht weiss, wem man sich anvertrauen kann? Die externe Meldestelle der Reformierten Kirche Kanton Luzern bietet einen geschützten Raum, um darüber zu sprechen.