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Chantal Brauchli

«Stillstand ist für mich das Schlimmste»

von Carole Bolliger
min
27.08.2026
Mit 36 Jahren führt Chantal Brauchli ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitenden, sitzt im Grossen Kirchenrat, verwaltet eine Liegenschaft – und ist seit diesem Frühjahr als erste Frau Präsidentin des KMU- und Gewerbeverbands Kanton Luzern. Wie schafft sie das?

Die Antwort überrascht. «Stress kenne ich nur ganz selten und ich lasse mich nur schwer aus der Ruhe bringen», sagt sie. Nicht überheblich, sondern ganz selbstverständlich. Und tatsächlich: Im Gespräch wirkt nichts gehetzt. Chantal Brauchli antwortet präzise, denkt kurz nach und kommt auf den Punkt. Keine langen Erklärungen, keine grossen Worte. Effizienz ist für sie keine Strategie, sondern eine Haltung.

Dabei war ihr beruflicher Weg keineswegs vorgezeichnet. Zwar führt sie heute das Luzerner Familienunternehmen Brauchli AG Luzern in fünfter Generation, doch ursprünglich wollte sie in den Sozialbereich. «Ich habe das KV gemacht und immer gedacht, ich arbeite später einmal mit Menschen», erzählt sie. Das Leben habe dann einen anderen Weg eingeschlagen. Bereut hat sie ihn nie.

Verantwortung

Wer mit ihr spricht, merkt schnell: Karriere ist für sie kein Selbstzweck. Immer wieder fällt dasselbe Wort: Verantwortung. «Ich glaube, man sollte sich einsetzen, wenn man kann», sagt sie. «Ich habe die Möglichkeit dazu und möchte mich gerne für die Gesellschaft engagieren.» Dieser Satz erklärt vieles. Schon früh übernahm sie Verantwortung, zunächst bei Jungwacht Blauring als Leiterin, später als Lagerleiterin und Präsidentin. Heute trägt sie Verantwortung für Mitarbeitende, Kundinnen und Kunden, verschiedene Organisationen und zahlreiche ehrenamtliche Aufgaben. Stillstand kommt für sie nicht infrage. «Machen bedeutet nicht stillstehen. Und stillstehen wäre für mich das Schlimmste.»

Dass sie dabei mehrere Rollen gleichzeitig ausfüllt, scheint sie kaum zu beeindrucken. Neben der Unternehmensführung und ihren zahlreichen Engagements kümmert sie sich auch noch um die Verwaltung der eigenen Liegenschaft – eine Aufgabe, die für andere beinahe einem Vollzeitjob entsprechen würde. Für die 36-Jährige ist auch das selbstverständlich Teil ihrer Verantwortung.

Zeit gut einteilen

Vielleicht liegt das Geheimnis weniger in aussergewöhnlicher Belastbarkeit als in ihrer Fähigkeit, Prioritäten zu setzen. «Ich bin früh Mutter geworden», sagt sie. «Dadurch habe ich gelernt, mich zu organisieren und meine Zeit gut einzuteilen.» Führung bedeutet für Chantal Brauchli vor allem eines: zuhören. «Und Verantwortung übernehmen – für die Mitarbeitenden, für die Kunden und für das, was man macht.» Als Chefin beschreibt sie sich als nahbar und authentisch. Dass sie selbst weder Schreinerin noch Zimmerin gelernt hat, empfindet sie dabei nicht als Nachteil. Im Gegenteil. Sie vertraut auf das Wissen ihrer Mitarbeitenden. «Sie sind täglich vor Ort und bringen unser Unternehmen weiter.»

Auch Kritik begegnet sie pragmatisch. Sachliche Rückmeldungen seien wichtig. «Nur so kommt man weiter.» Und Entscheidungen? Die trifft sie täglich. Viele. Natürlich zweifle sie manchmal. «Aber ich treffe meine Entscheidungen nach bestem Gewissen und stehe dann auch dazu.» Verantwortung endet für sie nicht am Werkstor. Sie engagiert sich ebenso in der reformierten Kirche. Warum? Weil dort Menschen im Mittelpunkt stehen.

«Es ist schön, Menschen in schwierigen Lebenssituationen begleiten zu können», sagt sie. Besonders berührend seien Momente, in denen jemand dank Unterstützung wieder Hoffnung schöpfe oder eine schwierige Situation hinter sich lassen könne. «Besonders das Mitgestalten der Zukunft unserer Kirche und das gesellschaftliche Engagement motivieren.»

Mitgefühl im Alltag leben

Ihr Glaube prägt dabei nicht nur ihr kirchliches Engagement, sondern auch ihren Führungsstil. Mitgefühl sei für sie zentral. «Das lebe ich auch im Alltag. Das ist das oberste Gut.» Für die Kirche der Zukunft wünscht sie sich Offenheit. Eine Kirche, die Menschen nahe ist, Neues zulässt und gleichzeitig Traditionen bewahrt. Sie ist überzeugt, dass auch die Kirche von der Wirtschaft lernen kann – etwa bei Organisation, Führung oder im verantwortungsvollen Umgang mit Finanzen. Umgekehrt habe sie selbst durch ihr kirchliches Engagement gelernt, noch stärker auf den Menschen zu schauen.

Verantwortung übernehmen, das zieht sich durch ihr ganzes Engagement – auch in ihrer neusten Aufgabe: Seit diesem Frühjahr ist Chantal Brauchli die erste Präsidentin des KMU- und Gewerbeverbands Kanton Luzern. Die erste Frau in diesem Amt zu sein, erfüllt sie mit Stolz. Vor allem, weil sie damit anderen Frauen ein Vorbild sein kann. Gleichzeitig hofft sie, dass diese Tatsache eines Tages keine Schlagzeile mehr wert sein wird.

Trotz ihrer vielen Aufgaben weiss sie genau, wo sie Kraft schöpft: zuhause. Auf der Terrasse. «Wenn ich in der Erde herumwühlen kann.» Dort ist sie einfach Chantal. Ebenso bei ihren langjährigen Freunden, die sie seit Jugendtagen begleiten. Und was soll einmal von ihr bleiben? Sie muss nicht lange überlegen. «Ich hoffe, die Leute sagen über mich: Sie war authentisch und hat sich für die Gesellschaft eingesetzt.» Nach einer Stunde Gespräch glaubt man ihr jedes Wort.

 

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Seit über 20 Jahren begleitet Andrea Roth Kinder und Familien in Willisau-Hüswil. Die Katechetin verbindet Bauernhof und Kirche, Glauben und Alltag, Geschichten und Gemeinschaft. Ihr Wunsch: dass Kinder Kirche als einen Ort erleben, an dem sie willkommen sind.