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Hanspeter Streit

«Wenn es mir nicht gut geht, finde ich Halt im Glauben»

von Carole Bolliger
min
01.07.2025
Im ländlichen Idyll von Wolhusen hat Hanspeter Streit seine Wurzeln geschlagen. In der reformierten Kirche Wolhusen kontrolliert er als Präsident der Rechnungsprüfungskommission die Finanzen.

Auf dem elterlichen Bauernhof auf dem Steinhuserberg, den seine Familie bereits in der sechsten Generation bewirtschaftet, lernte Hanspeter Streit früh, dass Verlässlichkeit und Bodenständigkeit mehr sind als nur Werte – sie sind Lebensprinzipien. Heute, mit vier zum Teil erwachsenen Kindern, führt der 50-Jährige das Hofgut mit derselben Hingabe weiter, mit der er seit drei Jahren als Präsident der Rechnungsprüfungskommission (RPK) der reformierten Kirche Wolhusen Dienst leistet.

Als eine neue Leitung und frischer Wind die Kirchgemeinde vor drei Jahren in eine Phase des Aufbruchs führten, folgte Streit gern dem Ruf seiner Weggefährten: «Ich kenne die Leute, die hier Verantwortung übernommen haben, und will auch meinen Teil dazu beitragen», sagt er. Seine Motivation ist doppelt: In seiner Funktion als Gemeinderat bringt er die Erfahrung ein. Die dort erlernte Transparenz und die Bürgernähe fliessen nun in kirchliche Entscheidungen ein. Als einziger reformierter Gemeinderat im Dorf repräsentiert er zugleich die Kirch­gemeinde in der Öffentlichkeit – ein Brückenbau, der ihm wichtig ist.

In der RPK stimmen Streit und sein Team Budgets und Jahresrechnungen auf Solidität ab, achten besonders darauf, dass Löhne und Sozialleistungen fair gestaltet sind und Freiwillige für ihren Einsatz angemessen entschädigt werden. «Früher waren wir konservativer, jetzt bringen wir etwas frischen Wind hinein», bilanziert er. Doch sein Stil ist nicht nur prüfend, sondern beratend: Er gibt der Kirchenpflege Impulse, wie man Strukturen – von der Pfarrbesoldung bis zum Unterhalt der Gebäude – zeitgemäss und transparent gestalten kann. Dabei verknüpft er stets betriebswirtschaftliche Vernunft mit diakonischem Anspruch.

Der Netzwerker lädt zum Austausch

Nebst dem prüfenden Zahlenmenschen ist Streit zugleich sensibler Netzwerker: Er lädt zum Austausch bei gemeinsamen Sitzungen und verweist auf die Nähe zu Menschen, die er seit Kindertagen kennt. Seine Anekdoten aus früheren Gremien – etwa, wie er in einer Verfassungskommission erstaunt feststellte, dass Kirchenrecht genauso komplex sein kann wie Staatsrecht – sorgen für Heiterkeit und verdeutlichen: Kirche lebt vom Miteinander. Praktisch zeigt sich das bei Dorfführungen, Kirchenkaffees und ökumenischen Gottesdiensten, die der neue Kirchenrat initiiert hat, um Menschen aller Generationen anzusprechen.

Zwischen Tradition und Erneuerung

Obwohl Wolhusen in einem katholisch geprägten Kanton liegt, verteidigt Streit seine reformierte Überzeugung mit Nachdruck: «Wir sind ein Berner Geschlecht, wir sind Reformierte – und bleiben es.» Zugleich plädiert er dafür, den Glauben nicht nur traditionell in den Gottesdiensten zu leben, sondern auch öffentlichkeitswirksam: Open-Air-Andachten im Sommer, ökumenische Taizé-Nachtgebete und Mitmachaktionen für Jugendliche gehören zum Programm. Damit möchte die Kirchenleitung insbesondere junge Familien ansprechen und den Generationendialog stärken.

Obwohl Streit sich selbst nicht als regelmässiger Kirchgänger bezeichnet, ist er tief im christlichen Glauben verwurzelt: «Der Glaube hat mich geprägt – er verschwindet nicht im Materialismus, nur das Ausleben ändert sich», erklärt er. Für ihn bedeutet Kirche nicht nur Liturgie, sondern gelebte Nächstenliebe – sei es beim Besuch im Pflegeheim, bei einem gemeinsamen Erntedankfest auf einem Hof oder kleinen Gesten der Zuwendung im Alltag. In schwierigen Zeiten hat er selbst erlebt, wie der Glaube Kraft schenkt. «Wenn es einem nicht gut geht, findet man im Glauben Halt.»

Erneuerung, ohne Wurzeln zu verlieren

Die unbesetzte Pfarrstelle in der reformierten Kirche Wolhusen bleibt seine grösste Sorge: «Der Pfarrer ist entscheidend.» Die strengen Ansprüche der Synode an die Qualifikation empfindet er bisweilen als Hemmschwelle. Er wünscht sich flexiblere Rahmenbedingungen, damit auch Kandidaten mit praxisorientiertem Profil eine Chance erhalten. Zugleich plädiert er für faire Löhne und moderne Arbeitsbedingungen, damit Kirche als attraktiver Arbeitgeber Zukunft hat.

Mit Blick auf die kommenden Jahre ist Streit nach wie vor motiviert und bereit, sich einzubringen: «Es braucht Menschen, die anpacken – sonst leidet die lebendige Gemeindearbeit.» Sein Idealbild ist eine Kirche, die sich selbst erneuert, ohne ihre Wurzeln zu verlieren: «Fest im Glauben verankert, offen für Veränderungen und bereit, die Gesellschaft dort zu begleiten, wo sie Unterstützung braucht.»

 

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